Archäologische Ausgrabungen

(c) Frank Bertram
Dr. Stefan Teuber (r.) und Oliver Beykirch bei den aktuellen Ausgrabungen am Petersilienwasser.

Vor dem Start der eigentlichen Bauarbeiten für die beiden neuen Wohnhäuser hat die Stadtarchäologie die Möglichkeit erhalten, das Gelände am Petersilienwasser zu untersuchen. Dr. Stefan Teuber und sein Team sind seit dem 17. Mai mit Spaten, Schaufel und Schubkarre auf Spurensuche nach Zeugnissen aus der Vergangenheit. Das Wetter meinte es dabei nicht immer gut: Der heftige Regen der vergangenen Wochen hat den Archäologen öfter einen Strich durch ihre Pläne gemacht. Nicht nur, dass die Ausgrabungslöcher schnell vollliefen und erst durch Pumpenkraft wieder vom Wasser befreit werden konnten. Die Starkregen und plötzlichen Wolkenbrüche erschwerten die Dokumentation der Grabungen, die schichtenweise erfolgt. Mehrmals hatten die Forscher gerade eine Schicht präpariert und alles soweit geputzt und mit Schildern vorbereitet, dass sie es zeichnerisch und fotografisch dokumentieren wollten, als wieder einmal ein Regenschauer alles verwischte. Etwa sieben Tage habe man unter dem Strich durch die Wetterunbillen verloren, schätzt Stefan Teuber.

Das Gebiet ist dem Einbecker Stadtarchäologen und auch Grabungsleiter Stefan Hainski und Oliver Beykirch nicht unbekannt: Schon mehrmals konnten sie zwischen 1996 und 2005 auf großen Flächen am Petersilienwasser forschen, daraus ist Teubers im Herbst 2009 als Buch erschienene Dissertation entstanden. Jetzt hatte der Archäologe die Chance, dort noch an den Stellen in der Erde nachzusehen, an denen er bislang nicht graben konnte. Es sind die hintersten Hinterhöfe der früheren Bebauungen, die Teuber und sein Team dieses Mal interessieren. Bislang hatten sie bei den bis dato größten Innenstadtgrabungen in Einbeck die Abfolge einer in neun Phasen unterteilbaren Wohnbebauung nachvollziehen können. Die Auswertung der Befunde zeigte die Entwicklung eines kompletten Straßenzuges unter anderem mit Gebäuden, Kloaken, Gewerbeanlagen, Herdstellen sowie eines Zehnthofes von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert auf.

Auch bei den aktuellen Grabungen, die noch bis 1. Juli dauern werden, erhoffen sich die Archäologen Erkenntnisse, welche Bebauungsstrukturen es hier nach dem großen Stadtbrand von 1540 in der Aue des Petersilienwassers gegeben hat. Kloaken haben die Forscher zu ihrem Bedauern bislang nicht gefunden, sie gelten immer als besonders aussagekräftig und liefern meist nicht nur Keramik- und Glasfunde, die ursprünglich mit den Abfällen entsorgt worden sind, sondern in Kloaken erhalten sich auch organische Materialien besonders gut.

Nach dem Ende der Ausgrabungen ist die Arbeit längst nicht getan. Die Funde müssen bearbeitet, gewaschen, unter Umständen rekonstruiert werden. Zusammen mit den zeichnerischen und fotografischen Dokumentationen können die Archäologen dann ihre wissenschaftlichen Schlüsse ziehen. Aus einer Woche Grabung können leicht einmal zwei Monate Fundbearbeitung werden, sagt Dr. Stefan Teuber.

Über Ergebnisse der Ausgrabungen wird es im nächsten Jahrbuch des Einbecker Geschichtsvereins einige Ausführungen geben. Welche ersten Erkenntnisse die Grabungen gebracht haben, berichtet Dr. Stefan Teuber bei einem Tag der offenen Grabung vor Ort. Zwei Führungen gibt es am Sonntag, 26. Juni, auf dem Ausgrabungsgelände am Petersilienwasser in Einbeck: Start ist um 14 Uhr und um 15 Uhr. Mit seinem Team wird Teuber auch zeigen, wie Archäologen arbeiten. Die Baustelle ist von 13 bis 16.30 Uhr geöffnet.

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  1. Dr. Stefan Teuber sagt:

    Schöne Fotos, wenn auch die „Schwimmbadaufnahmen“ eher deprimierent sind.

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